Mehr als nur Mitlaufen

Jana Beuschlein hat den Sprung geschafft: Vom dualen Studium zur Festanstellung im Best Western Plus Palatin Kongress Hotel Wiesloch. Jetzt will sie auch den Sprung in die erste Mannschaft der TSG 1899 Hoffenheim schaffen.

 

Klaus Schindlmeier begrüßt die Gäste der Presserunde in der Kreativwerkstatt des Palatins.
Klaus Schindlmeier begrüßt die Gäste der Presserunde in der Kreativwerkstatt des Palatins.

Herr Schindlmeier, wie haben Sie Jana Beuschlein kennengelernt?

Schindlmeier: Der Kontakt zu Jana ist über Anpfiff ins Leben zustande gekommen. Mir war sofort klar, dass sie ein Gewinn für unser Unternehmen sein würde: Jemand, der auf dem Niveau Fußball spielt und dann noch studieren will, muss klare Zielsetzungen haben. Das hat sich absolut bestätigt: Jana ist intelligent, hat eine tolle Ausstrahlung und zeigt nicht nur im Sport eine große Willenskraft.

 

Jana, aus deiner Sicht: Wie bist du beim Palatin gelandet?

Jana: Lena Forscht von Anpfiff ins Leben hat mir das Unternehmen vorgestellt. Im Vorstellungsgespräch habe ich mich direkt wohlgefühlt und Klaus hat mir sofort einen Platz angeboten. Da musste ich nicht lange überlegen und habe am nächsten Tag zugesagt.

 

Welche Erfahrung haben Sie mit Anpfiff ins Leben und den Sportlern aus der Förderung gemacht?

Schindlmeier: Die Verbindung kam schon über Anton Nagl zustande, der den Verein gegründet hat. Mit Stefanie Kunzelnick haben wir schon mehrere karikative Veranstaltungen, wie etwa die N8:Schwärmer, bei uns im Palatin durchgeführt und die Gelder gespendet. Aber es geht weit über eine Sponsoring-Partnerschaft hinaus. Ab Februar werden Menschen mit Behinderung aus der Förderung von Anpfiff ins Leben bei uns arbeiten, auch Tamar und Fabienne Dongus waren schon bei uns. Mit Sportlerinnen habe ich nur gute Erfahrungen gemacht, weil sie eine klare Zielsetzung haben.

 

Aber haben sie nicht eher sportliche Ziele?

Schindlmeier: Vielleicht ist das bei den Männern so, die mit Geld zugeschüttet werden und wenig Zeit haben, sich auf andere Bereiche des Lebens zu konzentrieren.

Jana: Da wir vom Sport allein nicht leben können, müssen wir natürlich auch andere Ziele haben. Das schadet uns im Vergleich mit den Jungs aber nicht, ganz im Gegenteil. Mit Klaus habe ich aber glücklicherweise einen Chef, der auch meine sportlichen Ziele unterstützt.

Schindlmeier: Sie soll Gas geben und den Sprung in die erste Bundesliga schaffen.

 

Woran muss sie denn arbeiten, damit ihr das gelingt?

Schindlmeier: Sie hat genug Talent, um in der ersten Bundesliga zu bestehen. Aber auch als Teamsportlerin muss sie lernen, selbst in den Vordergrund zu treten. Nicht nur mitlaufen, sondern vorangehen und sich zeigen. Das lernt sie jetzt.

 

Jana Beuschlein stellt beim SAP Cup 2017 ihr Durchsetzungsvermögen unter Beweis.
Jana Beuschlein stellt beim SAP Cup 2017 ihr Durchsetzungsvermögen unter Beweis.

Inwiefern?

Schindlmeier: Im Verkauf gehört es dazu, auch sich selbst zu verkaufen. Das lag ihr eigentlich nicht, deswegen musste ich da etwas Druck machen. Inzwischen ist sie viel offener und souveräner geworden; sie hat auch als Person einen großen Schritt gemacht.

Jana: Inzwischen macht es mir sogar Spaß, auf Menschen zuzugehen. Das hätte ich vorher nie für möglich gehalten. Dieses Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen hat mir auf jeden Fall gutgetan, nicht nur im Beruf, sondern auch auf dem Platz.

Schindlmeier: Dort könnte es ruhig noch etwas mehr sein. Sie sollte viel öfter selber schießen als abzuspielen und müsste eigentlich in jedem Spiel eine gelbe Karte bekommen! (beide lachen)

 

Sie sind für Jana also ein Berater in allen Lebenslagen?

Schindlmeier: Ich möchte sie bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. Das ist ja eine Win-Win-Situation: für uns als Haus und für sie als Mensch. Jana ist noch jung, aber sie muss die Zeit bis 30 nutzen, um ihre Kreativität und ihr Selbstbewusstsein zu bilden. Wenn man es bis dahin nicht geschafft hat, auf eigenen Beinen zu stehen und ein eigenes Profil zu entwickeln, dann wird es schwierig. Mit den zwei Kompetenzen, die Jana hier verfolgt, kann sie sich aber überall durchsetzen. Es war mir wichtig, dass sie mit ihrer Ausbildung überall eine Stelle findet, auch wenn sie einmal in Amerika Fußball spielen möchte. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sie überall ihren Weg gehen wird.

 

Großes Lob …

Jana: Dass Klaus auf mich baut und mir viel Vertrauen schenkt, habe ich von Beginn an gespürt. Deswegen wollte ich natürlich auch Gas geben und es zurückzahlen. Aber er ist nicht nur mein Chef, sondern auch mein Ansprechpartner. Er nimmt sich für jeden Menschen Zeit und lebt damit die Philosophie des Hauses beispielhaft vor.

 

Was ist das für eine Philosophie?

Schindlmeier: Vor vielen Jahren habe ich den Ratschlag bekommen, ich müsse politischer denken. Vorher war ich ein typischer Koch und habe mich hinter dem Esprit meiner Frau versteckt. Als sie gestorben ist, musste ich umdenken. Es reicht nicht, nur Geschäftsführer zu sein, man muss wie ein Regisseur denken. Ich habe gelernt, den Menschen in den Fokus zu stellen und auf meine Mitarbeiter zu hören. Ich hinterfrage mich: Wie nehmen mich unsere jungen Mitarbeiter wahr? Nehmen sie mich noch für voll? Nur wenn der gegenseitige Respekt da ist, kann ich das Haus effektiv steuern. Diese Herangehensweise hat sich bezahlt gemacht, auch was die Zahlen betrifft.

 

Bei Jana hat es sich offensichtlich gelohnt. Seit vier Monaten bist du fest im Palatin angestellt.

Jana: Mir war schon lange klar, dass ich hierbleiben möchte. Im letzten Februar hatten wir schon Übernahmegespräche. Dann stand fest, dass ich im Marketing bleibe. Der Übergang war also fließend. Ich möchte gerne noch lange weiter für Hoffenheim spielen und im Palatin arbeiten. Aber dank der Unterstützung von Anpfiff ins Leben und dem Team im Palatin fühle ich mich gut für die Zukunft gerüstet.